Kabelverarbeitung im Schaltschrankbau
Einleitung
Die Kabelkonfektion im Schaltschrankbau erfolgt auch heute noch meistens komplett
ohne maschinelle Unterstützung. Gelernte Fachleute verarbeiten und verdrahten manuell nach elektrischem
Schema. Leitungen werden einzeln und von Hand auf die Länge geschnitten, abisoliert, gecrimpt, beschriftet
und verdrahtet. Dies beansprucht sehr viel Zeit. Bei einer Kennzeichnungspflicht wird der Aufwand noch
viel grösser, da die Beschriftung meistens manuell mittels Etiketten oder Schildern gemacht wird.
Die Kabelkonfektion im Schaltschrankbau hat jedoch ein enormes Automatisierungspotenzial,
sowohl bei Einzel- als auch bei Serienfertigung. Leider herrscht bei den Herstellern von Schaltschränken
oft noch der Irrglaube, dass sich nur grosse Serien von gleichen Geräten gewinnbringend automatisieren
lassen. Für die Automatisierung existieren jedoch optimale Lösungen, von der halbautomatischen Konfektionierung
für die Einzelfertigung und Kleinstserien bis hin zur vollautomatischen Fertigung von Grossserien.
Stand der Technik in der Kabelverarbeitung
Grundlagen für die optimale Automatisierung in der Schaltschrank- Kabelkonfektion
ist das Vorhandensein elektronischer Daten wie Kabellänge, Beschriftung und Endverarbeitung. Diese Daten
werden von einer Verdrahtungsliste in einen Schneideauftrag konvertiert oder sogar direkt über ein ECAD-System
generiert. Stehen die Daten nicht elektronisch zur Verfügung, sind diese meist auch bequem über eine
Maschinensoftware programmierbar.
Das Ergebnis einer automatischen Kabelkonfektion sind einbaufertige Leitungen welche
auf die richtige Länge geschnitten, entsprechend konfektioniert und mit einer beliebigen Farbe mittels
Tintenstrahldrucker beschriftet sind. Die Leitungsenden sind mit Adernendhülsen, Crimpkontakten, MIL-Crimp
oder mit Ultraschallverdichtung verarbeitet. Die individuelle Beschriftung erfüllt nicht nur die Kennzeichnungspflicht,
sondern erleichtert das Verdrahten der Litzen im Schaltschrank wesentlich. Auch angelerntes Personal
ist somit in der Lage einfach, schnell und vor allem kostengünstig zu verdrahten.
Kosteneinsparung
Abhängig vom Lösungsansatz und Art der Produktion sind mit einer automatisierten
Kabelverarbeitung Kosteneinsparungen von bis zu 50% gegenüber der heute üblichen Arbeitsweise möglich.
Nicht nur bei der Kabelverarbeitung, sondern vor allem auch beim Verdrahten kann massiv Zeit und Kosten
gespart werden. Da sich die Leitungen automatisch mit Adressierung beschriftet und nach Baugruppe geordnet
produzieren lassen, erfolgt die Verdrahtung ohne Schema und wesentlich schneller.
Kontaktierung
Neben dem effizienten Ablängen und Abisolieren der Litzen sind die verschiedensten
Verarbeitungen möglich. Das Bestücken mit Adernendhülsen, Crimpkontakten oder mit MIL-Crimp ist ebenso
möglich wie das Verdichten der Leitungsenden mittels Ultraschall. Weitere Verarbeitungen wie das Bestücken
von Hülsen sind ebenfalls erhältlich.
Vor allem das Ultraschallverdichten setzt sich immer breiter durch. Mit dieser Technologie
werden die Einzellitzen kompaktiert. Mit nur einem Modul sind alle Leitungsquerschnitte in beliebiger
Verdichtungslänge verarbeitbar. Aderendhülsen sind bei endverdichteten Leitungen nicht mehr notwendig.
Beschriftung und Datenimport
Die Beschriftung erfolgt in wählbarer Farbe über Tintenstrahldrucker (Farbe meistens
weiss und/oder schwarz). Die Texte lassen sich automatisch von der Verdrahtungsliste oder vom ECAD System
generieren und an die Maschine übertragen. Auch eine direkte Programmierung über eine Bedienersoftware
ist möglich. Auf einer Leitung wird üblicherweise die Adressierung beider Leitungsenden beschriftet.
Die Beschriftung kann auch wiederholend auf der ganzen Leitungslänge aufgedruckt sein. Dadurch ist die
Leitung, einmal verdrahtet, jederzeit auch im Kabelkanal eindeutig identifizierbar. Eine saubere und
konsequente Beschriftung reduziert zudem die Kosten der Endprüfung.
Individuelle Lösungen
Sämtliche Automatisierungslösungen von Komax sind sowohl für die Einzelfertigung
als auch für die Serienproduktion von Schaltschränken optimal einsetzbar. Das Sparpotential ist in jedem
Fall sehr gross. Dank dem umfassenden Produktesortiment sowie der grossen Erfahrung im Schaltschrankbau
ist Komax in der Lage, auf individuelle Kundenbedürfnisse einzugehen und optimale Automatisierungslösungen
anzubieten.
Lösung mit Kappa
Für kleine Volumen
Kappa Abisoliervollautomat
Halbautomatische Produktion
sortiert nach Querschnitten
Die Maschinen der Kappa Familie ermöglichen das perfekte Ablängen, Abisolieren und
Bedrucken von Litzen und Kabel. Die Daten sind bequem über ein Netzwerk, aus einer Datenbank oder einem
ECAD-System importierbar. Die produzierten Leitungen werden anschliessend mit einem Tischmodul oder
manuell kontaktiert und in den Schaltschrank verdrahtet.
Lösung mit Gamma
Für mittlere Volumen
Gamma Crimpvollautomat
Vollautomatische Produktion
sortiert nach Querschnitten
Die Crimpvollautomaten der Gamma Familie sind flexible, vollautomatische Verarbeitungsautomaten.
Sie ermöglichen das Ablängen und Verarbeiten der Leitungsenden sowie das Bedrucken der Litzen. Die Leitungen
können zudem automatisch mit Adernendhülsen, Ultraschallverdichtung, Crimpkontakten oder MIL-Crimp verarbeitet
werden. Die Daten sind bequem über ein Netzwerk, aus einer Datenbank oder ECAD-System importierbar.
Lösung mit Zeta 633
Für grosse Volumen
Zeta Crimpvollautomat
Vollautomatische Produktion sortiert
nach Baugruppen oder Feldbezogen
Die Zeta 633 ist ein hochflexibles Kabelverarbeitungszenter, für Einzel- und Sequenzfertigung
geeignet. Die Maschine kann in beliebiger Reihenfolge Sequenzen bis zu 36 unterschiedlichen Litzen und
5 verschiedenen Verarbeitungsstationen wie Adernendhülse, Ultraschallverdichtung, Crimpkontakt oder
MIL-Crimp verarbeiten. Daher entfällt das Umrüsten in den meisten Fällen komplett. Die einzelnen Leitungssequenzen
werden nach Baugruppen oder Feldbezogen produziert, abgebunden und in die Ablagewanne gelegt. Dank dem
automatischen Job-Nachladen arbeitet die Maschine selbstständig in „Geisterschicht“. Die Daten lassen
sich beliebig über ein Netzwerk aus einer Datenbank oder direkt vom ECAD-System importieren.
Lösung mit Zeta 633/656
Komponenten
mit unterschiedlicher
Klemmenkontaktierung wie Federzug, Push-in oder Kontaktlaschen können mit der Zeta 656 automatisch ein-
oder beidseitig bestückt werden. Der Kunde spezifiziert ob Teilkabelsätze (beidseitig bestückt) oder
nur einseitige Komponentenbestückung auf der Anlage gefahren werden. Das Beladen und Entladen der Paletten
erfolgt während das zweite Palettenpaar bestückt wird. Eine kontinuierliche Produktion ist somit sichergestellt.
Integrierte Kraftsensoren gewährleisten höchste Qualität durch die Überwachung des kompletten Bestückungsprozesses.
Option
Flexbündler
Zur optimalen Auslastung der Anlage kann ein Flexbündler vor der
Zeta 656
in das Maschinentransfer integriert werden. Dadurch entsteht die Möglichkeit nicht bestückte Leitungen
orientiert und gebündelt für die manuelle Weiterverarbeitung bereitzustellen.
Datentransfer
CAD – Zeta 633/656
Die Produktionsdaten für Losgrösse 1 oder für die Serienfertigung
können über ein Netzwerk, eine Datenbank oder ab ECAD direkt importiert werden. Prozessrelevante Qualitätsdaten
können archiviert werden und sind für die Rückverfolgung jederzeit verfügbar.